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Das graue Gift der Sorge

Denaturierung bezeichnet eine strukturelle Veränderung von Biomolekülen (…), die in den meisten Fällen mit einem Verlust der biologischen Funktion dieser Moleküle verbunden ist, obgleich deren Primärstruktur unverändert bleibt. (Wikipedia)

Denaturiertes Klima
Bekanntlich ist das Klima, das als Witterungs-Gegebenheit der Natur angehört, heute auch ein Kulturphänomen. Und zwar nicht deswegen, weil wir es irgendwie verhunzt hätten, sondern weil Wissenschaftler es auf die Agenda gesetzt und somit zu einem Streitobjekt und zu einem Gestaltungsthema gemacht haben. Um die Welt zu retten, sagen die Idealisten. Um die Interessen bestimmter Mächte am Erhalt des klimatischen Status Quo zu vertreten, sagen die Realisten. Um ihre eigenen Pfründe zu sichern, sagen manche Ketzer. Du und ich sagen dies und das. Einer begreift die Klimafrage vielleicht als sittliche Aufgabe, verkauft sein Auto und setzt sich für eine „klimaneutrale Energiepolitik“ ein. Ein anderer legt sich Scheuklappen und einen SUV zu. Aber selbst die leichtesten Scheuklappen sind fühlbar, und selbst unbedingtes Engagement befreit nicht von allen Lasten: Uns alle bringt das Wissen um die Machbarkeit des Klimas in die unglückselige Lage, das Wetter nicht mehr als etwas schlechthin Gegebenes anzusehen und anzunehmen, sondern zu fragen, was Sonne, Wind und Regen wohl heute in Bezug auf die allgemeine Klimaentwicklung bedeuten mögen. Ein Bereich der Wirklichkeit, der einmal so selbstverständlich war wie mein Muskelspiel, ist zu einem Problem geworden, das jeden einzelnen Menschen verunsichern und zermürben muss, weil kein einzelner Mensch es lösen kann.

Dem Sonnenschein haftet heute etwas Gemachtes an, jede stärkere Windböe erinnert an eine Schuld, jeder Regenguss wirkt wie gestohlen. Gegen die restriktiven Morallehren der Vergangenheit, die den freien Genuss der Natur vor allem im Bereich der Sexualität behinderten, konnte man sich auflehnen. Gegen das neue Wissen jedoch, das die Natur vergällt und ungenießbar macht, scheint kein rationaler Einwand möglich. Dieses Wissen kann kritisch oder affirmativ, sachlich oder ironisch getönt sein, aber es begeistert nie. Es erhellt nichts, beweist nichts, bewegt nichts, weil die fatale Infusionslösung, die unablässig aus dem Tropf der Subtexte in unser Nervensystem rinnt, das graue Gift der Sorge ist.

Denaturierte Leiblichkeit
Sorge und Freiheit bedingten einander, heißt es. Beides gehöre zum Zivilisationsprozess. Mehr Freiheit von natürlichen Gegebenheiten führe unweigerlich zu mehr Verantwortung für die Natur. Zu Förstern der Welt seien wir bestellt. Gewissenhaft hätten wir uns einzusetzen für den Naturschutz, für die ökologische Landwirtschaft, für ein ressourcenschonen­des, nachhaltiges Wirtschaften, für grüne Technologien, für eine bioethisch korrekte Entwicklungsplanung, ganz allgemein für ein vernünftiges Zusammenwirken von Freiheit und Fürsorge. Wie das aussehen kann, lässt sich im Bereich der leiblichen Gesundheit sehr eindrücklich studieren.

Der Leib als inkarnierte Natur versteht sich zwar von selbst. Das leibliche Sein eines Menschen des 21. Jahrhunderts ist so wenig fragwürdig wie das einer Katze, eines Affen oder eines Neandertalers. Wer seine Atemtätigkeit, seinen Herzschlag, den Blutkreislauf oder die Stoffwechselvorgänge fortwährend in Frage stellt, womöglich um „bewusst zu leben“, hört auf zu leben. Jedoch genügt sich der Leib nicht selbst. Alle Organismen interagieren mit der Umwelt, und die sogenannten höheren Lebewesen müssen sich dauernd um ihren Leib kümmern, weil er Nahrung, Zuwendung, Schutz, Pflege, Stimulanz und gelegentlich auch Medizin braucht. Nun ist medizinische Fürsorge nicht zu verachten. Sie schenkt Freiheit von Leiden und zählt zu den höchsten kulturellen Gütern. Paradoxerweise macht jedoch die Überversorgung mit medizinischem Wissen die Gesundheit heute unmöglich, weil es jede kleinste Abweichung von einer erträumten – und aus ökonomischem Interesse propagierten – Idealbefindlichkeit, mithin jede Unpässlichkeit, als behandlungsfähige und behandlungswürdige Krankheit stempelt. Dabei kompliziert der endlose Streit über „wahres“ und „falsches“ medizinisches Wissen das Problem noch. Bekanntlich ist das Wissen um Gesundheit, Krankheit und Heilung inzwischen zu einem derart unübersichtlichen Dschungel aus Erkenntnissen, Halbwahrheiten, Mythen, Gerüchten und Lügen herangewuchert, dass niemand mehr ohne Wegweiser hindurchsteigt. Weil aber keiner sicher sein kann, welcher Pfeil in die Freiheit weist und welcher in die Irre führt, begleiten quälende Sorgen den Weg durch die kognitiven Finsternisse. Den Ängstlichen bereitet jeder Schritt Schmerzen. Überall lauern Gesundheitsrisiken und Krankmacher, die Luft zittert vom Getöse der Ratschläge und Warnungen. Helm auf, oder du verunglückst! Eincremen, oder du stirbst an Krebs! Achtung, Milben, Zecken, Feinstaub! Laufend Blutdruck kontrollieren! Elektrosmog meiden! Killerstoffen in der Nahrung ausweichen! Kein Fleisch! Kein Weizen! Im Haus bleiben! Im Bett bleiben! Nicht rühren! Still, still! Gleich kommen die Medikamente, die Drogen, die neuesten Informationen

Übertrieben, zugegeben, aber am Faktum und an der Tendenz besteht kein Zweifel.  Und wenn die Denaturierung des Klimas als Luxusproblem abgetan werden kann, ist die Denaturierung der Leiblichkeit schon heute eine Volksseuche. Ein chronisches Übel ohne Aussicht auf Besserung übrigens, weil seine Heilung von mächtigen Wirtschaftsinteressen planmäßig hintertrieben wird.

 Denaturiertes Wachstum
„Die Erde ist nur noch dazu da, dass die Pflanzen nicht umfallen“, sagte ein Landwirt neulich im Fernsehen. Mit der pointierten Formulierung wollte er darauf hinweisen, dass unsere laienhaften Vorstellungen vom pflanzlichen Wachstum hoffnungslos romantisch und vollkommen obsolet sind. Zumindest in der industrialisierten Landwirtschaft ist das Wachstum heute ein in jeder Phase von Menschen gesteuerter Gestaltungs- und Produktionsprozess, der vom bewussten Design des Saatgutes über die kontrollierte Nährstoffzufuhr während der Wachstumsphase bis hin zum Produkt-Branding bei der Ernte reicht. Nur insofern wachsen die Pflanzen noch natürlich (vgl. oben), als ihnen die biochemischen Stoffwechsel-Programme als Vermächtnis einer selbstregulativen Vorzeit weiterhin zu eigen sind. Alles andere gehört der Kultur. Im Prinzip gilt das nicht erst seit gestern. Schon seit dem Beginn der Getreide-Kultivierung im Zuge der Neolithischen Revolution vor zwölftausend Jahren gehören Nutzpflanzen nicht mehr ganz sich selbst. Dass sie jedoch in den letzten Jahren rapide an Eigentümlichkeit eingebüßt haben, kann niemand leugnen, dessen Geschmackssinn noch halbwegs intakt und dessen soziales Gewissen noch nicht vollends verkümmert ist.  Zum einen mangelt es industriell erzeugten Feldfrüchten an Charakter; ihr Erscheinungsbild gleicht sich immer mehr ihrem Begriff an, während ihre Substanz zunehmend verwässert; sie reizen und sättigen noch, munden aber nicht mehr. Zum anderen weist der aggressive Ökonomismus der an der industriellen Nahrungsmittelproduk­tion beteiligten Konzerne, Forschungseinrichtungen, Interessenverbände und Behörden, die die Produktionsverhältnisse in der Landwirtschaft bereits heute maßgeblich bestimmen, in eine Zukunft vollständigen Ausgeliefertseins. Ästhetisch gesehen läuft die Kommerzialisierung des Wachstums auf vollendeten Kitsch hinaus, gesellschaftspolitisch droht der Hyper-Faschismus eines globalen Menschenmastbetriebs. Die Denaturierung des Klimas beeinträchtigt das Leben bloß, die Denaturierung des Leibes und des Wachstums beschädigt es.

Denaturiertes Leben
In populärwissenschaftlichen Beiträgen über die Biologie des Menschen sind Gehirne als Demonstrationsobjekte ein wenig aus der Mode gekommen. Auch über typische Merkmale wie den aufrechten Gang, den opponierbaren Daumen oder den Denkapparat reden die Wissenschaftsverkäufer im Fernsehen zur Zeit eher selten. Nicht was uns auszeichnet vor anderen Lebewesen, sondern was wir mit fast allen gemein haben, macht heute Quote. Dass wir mit Hausschweinen nahezu das komplette Genom teilen. Dass wir zu soundsoviel Prozent Fruchtfliegen sind. Solche Vergleiche verblüffen, aber sie beruhigen auch, verschaffen sie dem Zuschauer doch das gute Gefühl, das auch einen absoluten Herrscher früherer Zeiten wohlig durchströmt haben mag, wenn er sich ausnahmsweise zu dem Zugeständnis herabgelassen hatte, er sei auch nur ein Mensch. Vielleicht rühren sie sogar an das tiefreligiöse Gefühl der Verbundenheit mit Allem, das ja stets durch die Hinwendung zum Geringsten seine größte Wirksamkeit und Macht entfaltet hat. Von der Seligpreisung der „geistlich Armen“ allerdings, dem revolutionären Herzstück der Bergpredigt, bleibt in der Wissenschaftssendung nur der profane Trost übrig, der da lautet: Du bist auch nur ein Naturwesen.

Dass wir zuweilen nichts lieber sein möchten, sieht man daran, dass sich nichts so gut verkauft wie Natur. Nicht nur im Joghurt ist sie gefragt, sondern auch im Urlaub, in der Heilkunde, beim Hausbau, in der Mode, der Kosmetik, der Politik, der Liebe, eigentlich überall. „Powered by Nature“, ein Slogan nach unserem Geschmack, steht auf Geschirrspülmittelflaschen. „Natürlich aktiv“ will eine „Powerfrucht“-Zubereitung sein. Der Schlachtgroßbetrieb Agrimeat stempelt furchtlos „Natürlich lecker!“ auf seine Industriefleischpackungen. So groß ist das Verlangen nach einer unverstellten Wirklichkeit, dass wir geneigt sind, selbst den unzuverlässigsten Schildern in Richtung Natur nachzugehen.

Allerdings nur zeitweise. Naturwesen oder zumindest der Natur zugewandte Wesen sind wir nur in unserer Eigenschaft als Konsumenten, im Berufsleben jedoch, als Produzenten von Dingen oder Ideen, sind wir Kultur-Schaffende. Das heißt, wir initiieren, gestalten, managen, propagieren und realisieren genau jene Denaturierungsprozesse, von denen wir uns nach Feierabend freikaufen wollen.

Im großen Theater der Doppelbindung erscheint das Leben manchmal noch wie eine ferne Erinnerung.

Das Leben, das sich von selbst verstand, ehe es sich in Frage stellte. Die Kindheit, die ein Glücksfall und ein Spiel war, ehe sie ein Business Case wurde. Die Jugend, die den Aufbruch verkörperte, ehe sie im Altersheim verdämmerte. Die Arbeit, die nicht mehr gut tut, seit sie gar nicht mehr getan werden muss. Das wilde Denken, das im Gehege der politischen Korrektheit verkümmerte. Der Fels der Intimität, den die digitale Wirtschaft zum Steinbruch machte. Das Geschlecht, das ein Eigentum war, bevor es eine Handelsmarke wurde. Die Zeugung, die ein menschlicher Akt war, bevor sie zum medizintechnischen Vorgang verkam. Die Schwangerschaft, die ein Segen war, bevor sie zum Risiko wurde. Der Tod, der zu seiner Stunde kam, ehe er sich als Dauergast in der durchsorgten Existenz einnistete.

Zu viel vom Gleichen

Es wird kurz vor den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen gewesen sein. Die Tagesthemen bringen eine Reportage über den rust belt, die kriselnde Industrieregion im Nordosten der Vereinigten Staaten. Sie zeigen marode Fabrikgebäude, traurige Straßen, schließlich einen ehemaligen Bergmann. Er steht, die Hände in den Taschen, in der bröckelnden Kulisse und spricht von der verlorenen Zeit. Das sei ein Leben gewesen damals, sagt er und fährt fort: »Ich will wieder arbeiten, dass mir der Schweiß den Rücken runterläuft.«

Ich mag diesen Kumpel aus Ohio oder Michigan, seine lakonische Hymne an den Schweiß rührt mich. Ich fühle mit ihm. Von einer anderen Fernsehfigur, die mir stets im Gefolge dieses Bergmanns in den Sinn kommt, kann ich das nicht behaupten. Auch die Schattenfigur hat einen kurzen Auftritt in einer Fernsehreportage, die im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen ausgestrahlt wird. Diesmal dreht es sich um Start-ups in Seattle. Technologiefirmen. Digitalwirtschaft. Nerds und ihre kruden Ideen von numerisch kontrollierter Mitmenschlichkeit. Einer sagt sinngemäß: »Arbeitslosigkeit, Prekariat und all das müsste es gar nicht geben. Sollen die Leute doch Programmierer werden. Dann haben sie einen Job, den sie zwanzig Jahre und länger ausüben können.« Kann schon sein. Trotzdem ist mir der Kerl zuwider. Denke ich an ihn, empfinde ich tatsächlich so etwas wie Hass – wenn auch weniger der Person als dem unbedingten Technikwollen gegenüber, das sie verkörpert.

Die bürgerliche Presse verlacht den »rückwärts gewandten« Kumpel, während sie den unternehmenden Nerd verehrt und fürchtet. Mit jeder Einstellung und jedem Schnitt zeigt sie, auf wessen Seite sie steht. Darf man sie »Lügenpresse« nennen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls geht sie mir zunehmend auf den Geist. Woran liegt das?

»Der Meinungskorridor war schon mal breiter. Es gibt eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen (…). Der Konformitätsdruck in den Köpfen der Journalisten scheint mir ziemlich hoch. Das Meinungsspektrum draußen im Lande ist oft erheblich breiter.« Diese medienkritischen Sätze – sie stammen vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier – hat der Blogger Sascha Lobo vor einiger Zeit in seiner SpiegelOnline-Kolumne aufgegriffen. »Tatsächlich sind die großen, wirkmächtigen Redaktionen des Landes nicht gerade überragend divers geprägt«, schreibt Lobo. Zu viele Männer, zu viele Städter, zu viele Akademiker, zu viel Standesdünkel, zu viel Angst um den Job, zu viel vom Gleichen: »Die vergleichsweise große Selbstähnlichkeit in den Redaktionen, die fehlerkulturarme Gatekeeper-Haltung und die Folgen des wirtschaftlichen Drucks betrachte ich als wichtige Gründe für das enorme Medienmisstrauen, das im Ruf ,Lügenpresse‘ gipfelt.«

Anstatt nun aber diese Gründe gelten zu lassen und Schlüsse daraus zu ziehen, vollzieht Lobo plötzlich eine argumentative Kehrtwende. Dem klassischen rhetorischen Muster der Concessio folgend (dem Eingeständnis der Richtigkeit eines gegnerischen Arguments folgt dessen Entkräftung durch ein stärkeres eigenes Argument), führt er einen Grund an, der die zuvor genannten Gründe nichtig erscheinen lässt. Homogenität ein Makel? Im Gegenteil, sagt Lobo sinngemäß, sie ist unser höchstes Gut. Denn wir Medien-Profis gleichen uns ja in erster Linie darin, dass wir ein regulatives Prinzip anerkennen und schützen, das den Meinungsstreit in der Demokratie, indem es ihm eine Grenze setzt, überhaupt erst ermöglicht. Und dieses Prinzip ist der Pluralismus. Als liberale Demokraten tolerieren wir jede Meinung, solange sie sich nicht gegen das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung richtet. Und solch eine nicht zu duldende Meinung vertreten die Lügenpresse-Rufer. Sie wollen den rechtlichen Rahmen sprengen, die demokratischen Spielregeln ändern, den Pluralismus als solchen aushebeln. Aber stimmt das überhaupt? Oder ist es nicht vielmehr eine Unterstellung, die alle Rufer treffen und einschüchtern soll, obwohl sie nur auf wenige zutrifft? Bringt der Autor vielleicht nur deshalb ein formales Prinzip ins Spiel, weil er die inhaltliche Auseinandersetzung scheut? Dient seine rhetorisch geschickt aufgezäumte Argumentation – der Verschleierung?

»Wer auf die Wiederbelebung einer in Nationalbewusstsein naturwüchsig verankerten Identität hinauswill, (…) der muss einen breitenwirksamen Pluralismus der Geschichtsdeutungen ablehnen.« Also sprach Jürgen Habermas.

Im Sommer 1986 löste der Frankfurter Sozialphilosoph mit der Polemik Eine Art Schadensabwicklung, aus der das Zitat stammt, den so genannten Historikerstreit aus. Der Satz verdeutlicht, was aus Habermas’ Sicht damals auf dem Spiel stand – nichts weniger nämlich als der Bestand der Republik als Interessengemeinschaft geschichtsfrigider Verfassungspatrioten. Bedroht sah der streitbare Philosoph die Verfasstheit der BRD durch die Arbeiten einiger Historiker, die sich auf ganz unterschiedliche Weise und aus völlig unterschiedlichen Motiven heraus mit dem Geschick der deutschen Nation auseinandergesetzt hatten. Von Habermas wurden sie dafür unterschiedslos als revisionistische Verfechter eines geschichtstrunkenen Deutschtums gebranntmarkt. Bis heute hallt das Machtwort des Predigers des »herrschaftsfreien Diskurses« nach. Indem es Maßstäbe für das Gros unserer Geschichtslehrer, Leitartikler, Blogger und Talkshowmoderatoren setzte, trug es zu jener Homogenisierung des politischen Denkens bei, die inzwischen sogar ein supermoderater Bundespräsident beklagenswert findet. Was aber war falsch an dem Verdikt gegen die vermeintlichen Deutschtümler?

Habermas setzte sich damals nicht mit gegnerischen Argumenten auseinder, er betrieb Feindaufklärung. Mit jakobinischem Eifer verengte er die Diskurslandschaft auf ein Schlachtfeld kontradiktorisch sich widersprechender Thesen, in dem kein Platz für vermittelnde Positionen blieb. Nicht das ausgleichende »Sowohl als auch« durchherrscht seinen Text, sondern das unerbittliche »Entweder Oder«. Das Salz der Ironie, das polemische Auseinandersetzungen überhaupt erst genießbar macht, fehlt völlig. Er meint es absolut ernst mit seinem »Entweder Oder«. Und es ist dieser rationalistische, von der Logik diktierte Ausschluss eines Dritten zwischen Richtig und Falsch, der sein Urteil beeinträchtigt. Eine »in Nationalbewusstsein naturwüchsig verankerte Identität« soll mit »breitenwirksamem Pluralismus der Geschichtsdeutungen« unvereinbar sein? Warum denn? Die naturwüchsige, unverbrüchliche Bindung zu dem Land, in dem ich geboren und sozialisiert wurde, hindert mich doch nicht, die Geschichte dieses Landes so oder so zu bewerten. Umgekehrt zwingt mich die Tatsache, das ich der Menschheit angehöre, nicht zur Leugnung meiner lokalen, regionalen und nationalen Wurzeln. Habermas hat einfach Unrecht, wenn er die Vielfalt des Denkens gegen die Einfalt des Gefühls in Stellung bringt. Beides ist nicht nur miteinander vereinbar; das Zusammenspiel von Gefühl und Verstand ist schlichtweg unabdingbar für die Entwicklung einer wohltemperierten politischen Existenz.

Viele Politiker wissen das noch, zahllose Journalisten scheinen es vergessen oder nie gelernt zu haben. Sie fühlen sich im »Bretterwerk der Begriffe« (Nietzsche) heimisch und gucken als gute Konstruktivisten nicht mal mehr aus dem Fenster. Unter den erkenntnistheoretischen Stubenhockern ist zwar viel von Komplexität (also von der Einheit des Unvereinbaren) die Rede, doch im Oberstübchen herrscht die von der binären Logik des »Entweder Oder« geforderte absolute Parteilichkeit. Die Leute sollen entweder links oder rechts sein, entweder Universalisten oder Nativisten, entweder Humanisten oder Naturalisten, entweder Feministen oder Unmenschen. Aber das sind sie nicht. Sie sind arbeitslose Kumpel. Sie lungern in bröckelnden Kulissen herum und träumen von der verlorenen Zeit.

 

 

 

Über Techno

Leuchte: Ingo Maurer, Foto: Andreas Hoernisch

Die elektronische Tanzmusik der 1990er Jahre heißt nicht von ungefähr Techno. Das Etikett zeigt an, dass Technologie bei der Erzeugung der Musik eine wesentliche Rolle spielt; außerdem ist der Name Ausdruck einer klangästhetischen Präferenz: Techno klingt technoid. Aber noch aus einem weiteren Grund ist die Bezeichnung treffend. Techno ist technisch auch in dem Sinne, dass die Musik über eine klar umrissene Funktion hinaus nichts vermittelt. Sie ist wirkungsvoll, aber bedeutungslos. Sie stimmt den Hörer auf nichts ein, sie hebelt ihn aus.

Natürlich verfolgt alle Tanzmusik tendenziell einen ähnlichen Zweck. Sie entrückt die Hörer, dazu ist sie da. Es geht um Bewegungstrance, ums Außer-sich-Sein. Die musikalischen Mittel, die sich dazu eignen, Tänzer in solch einen Zustand zu versetzen, sind seit Alters her die gleichen. Von der irischen Jig bis zum karibischen Calypso, von der mittelalterlichen Tarantella bis zum modernen Hip-Hop bezieht Tanzmusik ihre treibende Intensität aus der variierenden Repetition rhythmisch prägnanter Motive. Mit solchen „Loops“ arbeitet auch der Techno. Was seine repetetiven Schleifen von denjenigen traditioneller Tanzmusik unterscheidet, ist zum einen die Simplizität ihrer Strukturen und zum anderen die maschinenartige Präzision ihrer Realisierung. Techno ist extrem durchsichtig und extrem unpersönlich. Die enge Verwandtschaft der Musik zur Mathematik, üblicherweise durch individuelle Musizier- und Intonationsweisen sowie zahllose andere Faktoren überspielt, wird im Techno bewusst zelebriert. Während traditionelle Musik Klangbilder erzeugt, in denen sich wie in Gemälden Persönlichkeit, Kultur und Welt ihrer Macher spiegeln, lässt sich im Fall von Techno allenfalls von Sonogrammen sprechen, von Funktionsgraphen, die zwar noch Stil erkennen, aber keinen Puls und keinen Atem mehr spürbar werden lassen. Techno hat keine Physiognomie und keinen Charakter. Er hat lediglich eine Funktion – die er freilich so unumwunden und zuverlässig erfüllt wie eine Guillotine die ihre: Techno befreit bürgerliche Hedonisten von ihrer als lästig empfundenen Verkopftheit. Das ist okay. Im Tanzen triumphiert die primitive Wirklichkeit des Leibes über die hinfälligen Konstruktionen des Intellekts, und weil sich das gut anfühlt, gilt die Liebe zum Tanz naturgemäß auch der Musik, die ihn befeuert.

Doch wie jede Musik erklingt auch Techno gelegentlich außerhalb des Kontextes, für den er gemacht ist, und als Hörmusik entfaltet er eine problematische Wirkung. Verantwortlich dafür ist eben seine Weltlosigkeit, das Fehlen jener Signifikanz, die beim Hören traditioneller Musik das Gemüt anspricht und beschäftigt. Techno erzeugt Energie, nichts sonst. Und wenn diese Energie nicht in Hitze und Bewegung umgesetzt werden kann, steigt sie dem Hörer zu Kopfe. Die Musik pumpt ihn zu nervöser, nichtiger Größe auf. Sie induziert Erregung, aber sie vermittelt kein Erlebnis. Während traditionelle Musik Erfüllung sein kann, drängt Techno zur Entladung. Und diese Entladung ist Leistung – letztlich in einem ganz und gar bourgeoisen Sinne.

Dass aus dem Techno ein Kult gemacht wurde, ist nicht verwunderlich. Seine Protagonisten folgten damit dem Schema vorangegangener Jugendbewegungen, die ebenfalls im Namen radikaler Selbstentäußerung gegen das Vätermodell der rationalen Selbstbeherrschung revoltiert hatten. Verwunderlich, nein, verstörend war die Perspektive der neuen Bewegung, denn mit ihrer weltlosen, in präziser Funktionalität sich erschöpfenden Kunst propagierte sie nichts anderes als den Bruch mit der humanistischen Tradition. Implizit machten sich die Raver stark für ein rein technizistisch gedachtes Menschentum. Mit Techno wurde „Love“ zum Signum eines neuen, erstmals auch jugendbewegten Kultes um Effizienz und Hochleistung.

Technizismus

Es ist evident, dass die Praxis durch den technologischen Zugriff laufend revolutioniert wird. Mitte des 18. Jahrhunderts setzt jener permanente Wandel der Verhältnisse ein, der das an die Macht strebende Bürgertum zugleich begeistert und bestürzt und den es, um beim Vorwärtsstürmen nicht zu verzweifeln, umgehend als natürlichen Gang der Dinge hinstellt. Handgriffe fallen weg, Tätigkeiten erübrigen sich, Kompetenzen werden obsolet, nicht mehr gebrauchte Talente verkümmern, nicht mehr gebrauchte Charaktere sterben aus, Berufe verschwinden, andere entstehen, um bald darauf wieder überflüssig zu werden – und dennoch stellt sich die Mehrzahl der Bevölkerung immer wieder ohne großes Murren auf die jeweils neuen Verhältnisse ein. Ludditen, Traditionalisten und Reaktionäre bleiben in der Minderheit. Der Grund dafür ist einfach: Technik überzeugt die Menschen, weil sie hält, was sie verspricht. Und sie verspricht: weniger Arbeit, mehr Spaß, längeres Leben.

Dass die Technik ihre großen Entlastungs- und Versorgungsversprechen tatsächlich immer wieder zu halten vermag, erstaunt viele Menschen. Dabei vollbringt sie keine Wunder, sondern folgt nur ihrem Prinzip; die trickreiche Bewältigung von praktischen Aufgaben ist schließlich ihre ureigenste Aufgabe. Erstaunlich ist nicht die Tatsache, dass die Technik knifflige praktische Probleme löst. Erstaunlich ist vielmehr der populäre technizistische Glaube, dass die Praxis sich komplett in technische Funktionen auflösen ließe. Nach dieser Vorstellung besteht das praktische Leben aus einer unbestimmten, aber endlichen Menge rational erfassbarer Zweck-Mittel-Relationen, über die hinaus nichts Relevantes geschieht. Anders gesagt: Das praktische Leben ist ein Set lösbarer Aufgaben und nichts sonst.

Lösungen sind aber nichts anderes als Verrichtungen, die im Hinblick etwa auf ihren Ressourcen- oder Energieverbrauch stets optimiert werden können. Da die Verrichtungen zudem mehr oder weniger Lust bereiten, ergibt sich für den Technizisten eine bestimmte Rangfolge ihrer Abarbeitung. Gut zu leben heißt nach technizistischem Verständnis, sich der weniger angenehmen Verrichtungen möglichst vollständig zu entledigen (etwa durch Automatisierung), um die gewonnene Zeit zur Optimierung der angenehmeren Lösungen zu nutzen. Da jedoch auch die angenehmsten Verrichtungen noch Arbeit machen, Ressourcen verbrauchen und Energie erfordern, hört die optimierende Tätigkeit nie auf, so dass jede Lösung stets nur weitere Lösungen nach sich zieht und die Erlösung auf immer ausbleibt – was Technizisten allerdings nicht schreckt. Sie benötigen keinen letzten Zweck, der die ewige Arbeit am Mittel rechtfertigt. Sie wünschen sich kein Glück, das über die obsessive Lust am Optimieren hinausgeht. Sie wollen nicht erlöst sein.

Oder doch? Zumindest ein regulatives Prinzip, das sie befeuert und an dem sich ihre unermüdliche Tätigkeit orientiert, muss es auch für sie geben. Dieses regulative Prinzip kann nichts anderes sein als die Idee des absoluten Optimums. Das absolute Optimum, egal ob man es als unendlich fernes Ziel oder als innigstes Antriebszentrum imaginiert, birgt keine Probleme und keine Aufgaben mehr, es ist frei von Energie, von Materie, von Lust und Unlust, von allem. Genau genommen ist es nichts. Wer nur dafür lebt, Probleme zu lösen, lebt für nichts. Technizismus ist Nihilismus.

Und diese Feststellung ist keineswegs bloß „philosophisch“ gemeint. Wir kennen in der Praxis zahllose Beispiele für technische Optimierungsprozesse, die dem Nichts als dem absoluten Optimum bedenkenlos und rücksichtslos zuarbeiten. Man denke an die Vernutzung von Lebewesen in der industriellen Tiermast. An die Zurichtung von Menschen im Hochleistungssport. An die Entleerung der Kindheit im Zeichen effizienten Lernens. An die Elendsproduktion im Zuge der arbeitsteiligen globalen Güterproduktion. An die Übernutzung der Böden, die Verpestung der Luft, die Verschandelung der Landschaften. An das elektronische Monopoli der Finanzindustrie. An die Entnaturalisierung menschlicher Bindungen zur besseren Ausbeutung menschlicher Ressourcen. An die Naturalisierung des Konsums durch Kultur- und Werbeindustrie. An die restlose Vermarktung der Seele im Zeitalter des informationstechnologischen Totalitarismus. An Kampfdrohnen. An die Atombombe.

Der Technikphilosoph Günther Anders war der Meinung, die Technik sei längst zum Subjekt der Geschichte geworden, „mit der wir nur noch ‚mitgeschichtlich‘ sind“. Das mag stimmen oder nicht.  Aber auch wenn es stimmt, ist das Leben immer noch mehr als ein Set von Aufgaben. Es fügt sich in keinen Rahmen. Es umgreift und übersteigt jeden systemischen Funktionszusammenhang. Relevant für das Leben ist in Wirklichkeit alles Geschehen, weil das Ganze in jedem Augenblick das Schicksal jedes Teils bestimmt. In dieser Weise Ganzes zu sein, ist sozusagen die Natur der Natur, der gegenüber wir auch als Titanen der Technik vollkommen abhängig bleiben. Ein Gefühl für diese Abhängigkeit zu entwickeln und zu kultivieren, wäre eine zivilisatorische Aufgabe ersten Ranges – aber eben keine technische. 

Während der Technik das Gefühl fürs Ganze vollkommen abgeht, ist es konstituierend für die Religion. Religion als die dem Technizismus entgegengesetzte Haltung zur Welt ist im Grunde nichts anderes als Feier des Lebens.

Die Anderen und ihr Programm

IMG_0326Technikkritische Betrachtungen

Techniker sind Realisten und Praktiker, aber sie sind nicht die Realisten und Praktiker schlechthin, als die sie sich oft ausgeben und von ihren Bewunderern wahrgenommen werden. Techniker sind Realisten und Praktiker besonderer Art. Als Realisten sehen sie die Welt, wie sie ist, aber nicht vornehmlich, um ihre Wunder zu bestaunen oder ihre Rätsel zu ergründen, sondern um ihre Mängel festzustellen. Als Praktiker handeln sie in der Welt, aber nicht vornehmlich, um Erfahrungen in ihr zu machen, sondern um Reparaturen an ihr vorzunehmen. Ihre Erfolge bei der Ausbesserung der Welt haben ihnen den Ruf von Wohltätern der Menschheit eingebracht. Deshalb regt sich kaum Widerstand gegen den technologischen Totalitarismus unserer Tage, der die Welt als einen Reparaturbetrieb ansieht, in dem buchstäblich nichts Bestand hat, nichts geschont wird und nichts heilig ist. Die Technikgläubigen sehen darin kein Problem. „Fürchtet euch nicht“, sagen sie mit dem wissenden Lächeln der Pfaffen. „Zwar verändert Technik die Welt, doch wir behaupten uns weiterhin darin!“ Das genau ist die Frage, der diese Kritik nachgeht. Sicher bleibt unsere Leistung im Getriebe des Fortschritts gefragt. Wir können der Motor sein. Wir können uns wichtig machen. Aber was werden wir uns wert sein – als Veränderer, die nichts gut sein lassen können?   Weiterlesen

Die ganze Wahrheit

Eine der Grundfragen der Philosophie lautet, Immanuel Kant zufolge: Was kann ich wissen? Wenn ich dieser Frage nachgehe, wenn ich also die möglichen Grenzen des Wissbaren angeben möchte, werde ich schnell auf das Problem des Wissenserwerbs stoßen. Welche Rolle spielen Empfindung, Gefühl, Wahrnehmung und Erfahrung dabei? Welche Bedeutung kommt der Logik, dem mathematischen Denken oder der „reinen Vernunft“ zu? Und welchen Einfluss haben Kultur, Sprache, biologisches Erbe oder technische Hilfsmittel? Für eine erschöpfende Antwort auf die Eingangsfrage wären sicher alle genannten – und viele weitere – Faktoren zu berücksichtigen. Gewöhnlich hat man es jedoch mit Antworten zu tun, die von dem Standpunkt und der Sichtweise desjenigen mitbestimmt sind, der sie gibt. Mit anderen Worten: Jeder Erkenntnistheoretiker gewichtet die genannten Abstraktionen nach seiner Façon und kommt  daher zu einem je eigenen Ergebnis. In den Augen derjenigen etwa, die den kulturellen Bedingtheiten der Erkenntnis eine entscheidende Bedeutung beimessen, gibt es überhaupt gar keine absolute Gewissheit, sondern allenfalls Übereinkünfte mit mehr oder weniger gut begründetem Geltungsanspruch. Nicht wenige Logiker, Mathematiker und Naturwissenschaftler hingegen scheinen den Erklärungsprinzipien ihrer Disziplinen eine solch große Beweiskraft zuzumessen, dass sie die nach diesen Prinzipien gewonnenen Erklärungen als überzeitlich wahres Wissen ansehen. Weiterlesen

Vom Austernleben

Viel ist in diesen Tagen wieder vom hässlichen Deutschen die Rede, und wieder verstehen die Wohlgesinnten die Welt nicht mehr. Demütigung der Griechen? Spardiktat? Export-Übermacht? Hegemonie? Wir handeln doch vernünftig, heißt es. Und Vernunft ist doch etwas unbedingt Gutes. Und Innovation, Fortschritt, Wachstum, Tüchtigkeit, Rechtlichkeit und Rechtschaffenheit sind doch unbedingt vernünftig! Einmal mehr fühlt sich der brave Deutsche verkannt. Einmal mehr beschleicht ihn der Verdacht, die anderen setzten ihn nur deshalb herab, weil sie es ihm in fairem Wettbewerb nicht gleichtun können. Weiterlesen

Der bürgerliche Makel

Als bloß angelernter Bürger habe ich mich mit der städtischen Wirklichkeit der arbeitsteiligen Produktion, des marktorientierten Handelns und der konsumistischen Lebensweise nie richtig anfreunden können. Lange Zeit hing ich dem Glauben an, dass mein Unbehagen ein Effekt gewisser Fehlentwicklungen und Schieflagen sei, für deren Zustandekommen man lediglich einen Teil der Bürgerschaft verantwortlich machen könne. Schuld waren das Kapital und seine „gierige“ Gefolgschaft, die Bourgeoisie. Den freiheitsliebenden Citoyen dagegen, der manchmal als politischer Rebell, oft aber auch als Künstler, Literat oder Wissenschaftler in Erscheinung tritt, hatte ich stets bewundert und von jeder Kritik ausgenommen. Das hat sich geändert. Beinahe jede aktuelle Nachricht aus der Welt der Wissenschaften und Künste scheint mir ein Beleg für die Richtigkeit der Marxschen These zu sein, dass in jedem Citoyen ein Bourgeois steckt. Weiterlesen

Über die Armut

Ich habe nichts gegen Reiche, solange sie nicht die Herrschaft übernehmen. Ich habe nichts gegen den Markt, solange er nicht über meine Wünsche gebietet. Ich habe nichts gegen Technik, solange sie mich nicht knechtet. Ich habe nichts gegen Genuss, solange er mir nicht den Verstand raubt. Ich habe nichts gegen den Verstand, solange er sich nicht gegen mich wendet. Aber das tut er. Er rät zur Kapitulation und verspricht im Gegenzug ungeahnte Sinnenfreuden, große Bequemlichkeit, maximale Zerstreuung und ja, auch Reichtum. Aber ich will nicht reich sein. Ich sehne mich nach Armut. Weiterlesen

Teil und Ganzes in Wahrnehmung und Gestaltung

Eigentlich wollte ich nur ein paar Fakten zur Wahrnehmung zusammentragen, um mich für kunstgeschichtliche Diskussionen zu rüsten. Irgendwann kam mir dann der Gedanke, dass wir ja stets mehr vor Augen haben als wir sehen. Dieser Gedanke erschien mir so bedeutsam, dass ich ihn dem Ganzen nachträglich als Fundament unterlegt habe.      Weiterlesen