Sprachgläubigkeit

„If every word I said could make you laugh I’d talk forever.“ Dennis Wilson Ich habe mich immer zu Heidegger hingezogen gefühlt, allein schon wegen solcher Wörter wie Gestell. Auch zu Derrida habe ich mich hingezogen gefühlt. Neuerdings fühle ich mich zu Judith Butler hingezogen. Zugleich werde ich abgestoßen von diesen Denkern. Ich schlage ein Buch auf, beginne mit der größten Neugier zu lesen und werde bereits nach wenigen Zeilen abgestoßen. Ich werde auch von Einführungen und kurzen Darstellungen, sogar von Wikipedia-Artikeln abgestoßen. Ich glaube, diese Denker haben eingesehen, dass etwas falsch läuft in der Welt und dass dieses mehr

Bruchstücke II

The watchman, he lay dreaming The damage had been done He dreamed the Titanic was sinking And he tried to tell someone (Bob Dylan, Tempest) Mit Recht wird die Dekonstruktion des Augenscheins durch Isaac Newton als wissenschaftliche Großtat angesehen. Sie als Ursünde des modernen Denkens zu betrachten, ist dagegen ein wenig aus der Mode gekommen. Das Bild des vom Prisma in Spektralfarben zerlegten Sonnenlichts fasziniert uns als Erkenntnissymbol, aber dass an der dadurch repräsentierten Erkenntnismethode etwas faul sein könnte, will niemand mehr wahr haben. Ohne Zweifel zählt Newtons Optik zu jenen Pioniertaten, mehr

Bruchstücke I

„Viele Werke der Alten sind Fragmente geworden, viele Werke der Neuern sind es gleich bei der Entstehung“, sagt der Romantiker Friedrich Schlegel. Wir produzieren Scherben, heißt das. Unsere Sachen sind von Anfang an kaputt. Es heißt aber auch: Unsere Sachen sind Bruchstücke vom Ganzen. Es liegt nicht in unserer Hand, aber es ist da: „Das Höchste ist das Verständlichste, das Nächste, das Unentbehrlichste“, sagt Novalis. * „Angeblich wächst die Sentimentalität im Alter, aber das ist Unsinn. Mein Blick war von Anfang an auf die Vergangenheit gerichtet.“ Wolfgang Herrndorf (1965–2013) * Es ist immer gut gewesen, mehr