Allgemein

Technikkritische Betrachtungen 2

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Es ist evident, dass die Praxis durch den technologischen Zugriff laufend revolutioniert wird. Mitte des 18. Jahrhunderts setzt jener permanente Wandel der Verhältnisse ein, der das an die Macht strebende Bürgertum zugleich begeistert und bestürzt und den es, um beim Vorwärtsstürmen nicht zu verzweifeln, umgehend als natürlichen Gang der Dinge hinstellt. Handgriffe fallen weg, Tätigkeiten erübrigen sich, Kompetenzen werden obsolet, nicht mehr gebrauchte Talente verkümmern, nicht mehr gebrauchte Charaktere sterben aus, Berufe verschwinden, andere entstehen, um bald darauf wieder überflüssig zu werden – und dennoch stellt sich die Mehrzahl der Bevölkerung immer wieder… mehr

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Technikkritische Betrachtungen 3

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Aus technikgeschichtlicher Sicht markiert der Erste Weltkrieg den Beginn eines Goldenen Zeitalters. Bereits in den Vorgängerkonflikten hatte sich die Technik zu einem kriegsentscheidenden Faktor entwickelt, aber 1914 brach sich etwas qualitativ Neues Bahn. Wahrscheinlich war der Erste Weltkrieg der erste technologische Krieg der Weltgeschichte. Indem sie sich ganz auf Funktionszusammenhänge konzentrierten, entwickelten Ingenieure Vernichtungsvorrichtungen von beispielloser Effizienz. Aber es ging keineswegs nur um Waffen. Einer der spektakulärsten Erfolge der Weltkriegstechnik war die Entwicklung des Haber-Bosch-Verfahrens zur Ammoniak-Synthese durch Fritz Haber und Carl Bosch. Das grandiose Unternehmen bringt Glanz und Elend der anbrechenden… mehr

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Technikkritische Betrachtungen 4

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Da noch zwei Bände von Ice and Fire ausstehen, wissen wir nicht genau, wie George R. R. Martin seine Welt von den Anderen befreien wird. Aber wir ahnen es, denn natürlich hat der Erzähler die helfenden Mächte und heilenden Kräfte längst in Position gebracht. Neuartige Waffen (aus Obsidian) werden bei der Bekämpfung der Anderen eine Rolle spielen. Mächtige Wesen (Drachen) werden ihren Auftritt haben. Doch am Ende wird es wohl der lahme Seher Bran Stark sein, der als Helfer in höchster Not die drohende Niederlage in einen triumphalen Sieg verwandelt …

Allgemein

Technikkritische Betrachtungen 5

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Da das Subjekt auf die durch den technischen Fortschritt immer wieder aufs Neue herbeigeführte Weltfremdheit nicht anders reagieren kann als mit der Erzeugung subjektivistischer Blasen, sieht sich jede Generation seit Beginn der Moderne vor das Problem der seelischen Entsorgung gestellt. Die immer aktuelle, niemals in befriedigender Weise zu beantwortende Frage lautet: Wohin mit dem leidigen Ich? …

Feuilleton

Vom Austernleben

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Viel ist in diesen Tagen wieder vom hässlichen Deutschen die Rede, und wieder verstehen die Wohlgesinnten die Welt nicht mehr. Demütigung der Griechen? Spardiktat? Export-Übermacht? Hegemonie? Wir handeln doch vernünftig, heißt es. Und Vernunft ist doch etwas unbedingt Gutes. Und Innovation, Fortschritt, Wachstum, Tüchtigkeit, Rechtlichkeit und Rechtschaffenheit sind doch unbedingt vernünftig! Einmal mehr fühlt sich der brave Deutsche verkannt. Einmal mehr beschleicht ihn der Verdacht, die anderen setzten ihn nur deshalb herab, weil sie es ihm in fairem Wettbewerb nicht gleichtun können.

Feuilleton

Der bürgerliche Makel

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Als bloß angelernter Bürger habe ich mich mit der städtischen Wirklichkeit der arbeitsteiligen Produktion, des marktorientierten Handelns und der konsumistischen Lebensweise nie richtig anfreunden können. Lange Zeit hing ich dem Glauben an, dass mein Unbehagen ein Effekt gewisser Fehlentwicklungen und Schieflagen sei, für deren Zustandekommen man lediglich einen Teil der Bürgerschaft verantwortlich machen könne. Schuld waren das Kapital und seine „gierige“ Gefolgschaft, die Bourgeoisie. Den freiheitsliebenden Citoyen dagegen, der manchmal als politischer Rebell, oft aber auch als Künstler, Literat oder Wissenschaftler in Erscheinung tritt, hatte ich stets bewundert und von… mehr

Modernekritik

Über die Armut

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Ich habe nichts gegen Reiche, solange sie nicht die Herrschaft übernehmen. Ich habe nichts gegen den Markt, solange er nicht über meine Wünsche gebietet. Ich habe nichts gegen Technik, solange sie mich nicht knechtet. Ich habe nichts gegen Genuss, solange er mir nicht den Verstand raubt. Ich habe nichts gegen den Verstand, solange er sich nicht gegen mich wendet. Aber das tut er. Er rät zur Kapitulation und verspricht im Gegenzug ungeahnte Sinnenfreuden, große Bequemlichkeit, maximale Zerstreuung und ja, auch Reichtum. Aber ich will nicht reich sein. Ich sehne mich… mehr

Gestaltung

Teil und Ganzes in Wahrnehmung und Gestaltung

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Eigentlich wollte ich nur ein paar Fakten zur Wahrnehmung zusammentragen, um mich für kunstgeschichtliche Diskussionen zu rüsten. Irgendwann kam mir dann der Gedanke, dass wir ja stets mehr vor Augen haben als wir sehen. Dieser Gedanke erschien mir so bedeutsam, dass ich ihn dem Ganzen nachträglich als Fundament unterlegt habe.     

Modernekritik

Was ist modern? Vier Versuche.

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Wer sich mit Zeitgenossen verständigen will, muss ihre Sprache sprechen. In dieser Hinsicht sind die folgenden Überlegungen modern, wie ich hoffe. Modernität als Ideologie und Haltung erscheint mir jedoch seit langem fragwürdig. Zwei Aufsätze, einen Dialog  und ein Treatment später hat sich an dieser Einstellung nichts geändert.

Fragmente

Sprachgläubigkeit

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“If every word I said could make you laugh I’d talk forever.” Dennis Wilson Ich habe mich immer zu Heidegger hingezogen gefühlt, allein schon wegen solcher Wörter wie Gestell. Auch zu Derrida habe ich mich hingezogen gefühlt. Neuerdings fühle ich mich zu Judith Butler hingezogen. Zugleich werde ich abgestoßen von diesen Denkern. Ich schlage ein Buch auf, beginne mit der größten Neugier zu lesen und werde bereits nach wenigen Zeilen abgestoßen. Ich werde auch von Einführungen und kurzen Darstellungen, sogar von Wikipedia-Artikeln abgestoßen. Ich glaube, diese Denker haben eingesehen, dass etwas falsch läuft in der Welt und dass dieses… mehr