Arbeiten

Eine Auswahl journalistischer Arbeiten

Zeit und Geist

Immer wieder macht der Uhrenhersteller Nomos von sich reden – mit ausgezeichneten Produkten, grandiosen Ingenieursleistungen, erstaunlichen Wachstumraten und politischen Stellungnahmen. Wie tickt das Unternehmen, das im sächsischen Glashütte und in Berlin beheimatet ist? Eine Entdeckungsreise in Raum und Zeit …

Unternehmensporträt, designreport Heft 6/2018

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Es gibt nichts Gutes – außer man tut es

Soziale Themen stehen bei vielen Designevents auf der Agenda. Die Amsterdamer Konferenz »What Design can do« indes bietet mehr als kluge Worte und schöne Visionen: Mit dem Format »Challenges« stoßen die Veranstalter neue Ideen an – und helfen bei der praktischen Umsetzung.

»What Design can do« gibt es seit 2011. Was hat Sie und Richard van der Laken bewogen, solch eine Veranstaltung ins Leben zu rufen?
Pepijn Zurburg: Uns faszinierten damals Events wie Design Indaba in Kapstadt oder Designyatra in Delhi, wo alle Disziplinen zusammentrafen und voneinander lernten. Vergleichbare Großveranstaltungen in Holland wie etwa die Dutch Design Week in Eindhoven oder die Fashion Biënnale in Arnheim waren dagegen Einzeldisziplinen vorbehalten. Uns schwebte ein Format für alle Designbereiche vor, außerdem sollte es nicht um den kommerziellen Aspekt der Gestaltung gehen. Vielmehr wollten wir für die Idee werben, dass Designer auch für die Gesellschaft arbeiten können.
Das Thema Social Design lag damals in der Luft.
Ja, alle sprachen davon – nicht zuletzt aus Frustration darüber, dass Designer oft erst am Ende der Prozesse hinzugezogen werden. Wer etwas in Gang setzen will, kümmert sich gewöhnlich zuerst um Finanzierung, Fertigung, Vermarktung und tausend andere Dinge, bevor dann ganz zum Schluss die Designer zum Zuge kommen, um die glänzende Hülle zu gestalten. Analog gilt das auch für globale Probleme wie etwa Armut, Hunger oder den Klimawandel. Da sind zunächst Forscher, Regierungen oder die Vereinten Nationen gefragt – doch am Ende ist die Lösung fast immer das Werk eines Designers …
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Was wäre, wenn?

Speculative Design schafft keine Tatsachen, sondern Möglichkeitsformen. Gerade deshalb gewinnt die Methode zunehmend an Bedeutung – nicht zuletzt als Werkzeug in Innovationsprozessen, die sich einer humanen Zukunft verpflichtet wissen.
Noch steht Miriam Simun mit beiden Beinen auf dem Boden, doch das könnte sich bald ändern. Die US-amerikanische Künstlerin, zurzeit als Forschungsassistentin am Media Laboratory des Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig, hat unlängst ein Projekt initiiert, das selbst die unerschrockenen Innovationsvirtuosen vom MIT in Erstaunen versetzen dürfte: »In der Design-Fiction-Gruppe des Media Labs fragen wir: Was wäre, wenn?«, sagt Miriam Simun und fährt fort: »Was also wäre, wenn die Biologie andere Spezies künftig nicht mehr untersuchte, sondern vielmehr den Kontakt mit ihnen suchte? Was wäre, wenn wir eine Spezies nicht mehr als Ressource, sondern als Rollenmodell betrachteten? Was wäre, wenn ich mich einer Zukunft verweigern würde, in der ich als besserer Roboter existieren soll, und stattdessen ein Kopffüßer werden möchte?« Um die Metamorphose zum Oktopus voranzutreiben, hat die Transhumanistin ein Trainingsprogramm entwickelt, das etwa der Stärkung ihrer taktilen Wahrnehmung und der Flexibilisierung ihres Identitätsgefühls dienen soll. Durch die filmische Dokumentation dieser Übungen soll das Experiment schließlich den Status einer objektivierten und damit diskursfähigen »Arbeit« erhalten …

Vier Editorials

Nach 1989 war es erst einmal vorbei mit der Geschichte. Das Werden der künftigen Welt vollziehe sich nicht länger als ein Ringen blinder Kräfte und antagonistischer Mächte, hieß es. Die Zukunft gehöre jetzt den Märkten und dem Management, sie sei modellierbar, berechenbar, technisch beherrschbar geworden. Wir waren im Anthropozän angekommen, im Posthistoire, wo wir als »letzte Menschen« (Friedrich Nietzsche) unablässig die Freiheit feiern sollten, zwischen Coca Cola und Pepsi Cola wählen zu dürfen. Kann sein, dass sich manch einer noch in dieser Zukunft heimisch fühlt. In Wirklichkeit ist sie längst aus der Zeit gefallen. Überschattet wurde das technokratische Weltbild der überwundenen Geschichte bereits durch die Balkankriege in den 90er Jahren, erschüttert wurde es durch den Terror und die Folgen von 9/11, endgültig in der Versenkung verschwand es im Zuge einiger politischer Großereignisse des vergangenen Jahres. Dazu gehört dievermeintlich unzeitgemäße Entscheidung der Bevölkerungsmehrheit Großbritanniens, aus der Europäischen Union auszuscheiden. Das Brexit-Votum löste Entsetzen aus. Aber nicht nur bei Kontinentaleuropäern. Schockiert zeigten sich vor allem die britischen Befürworter eines Verbleibs in der EU – Londoner Bürger zumeist …

Editorial, designreport_2/2017
Editorial, designreport_1_2017
Editorial, designreport_6_2016
Editorial Hoteldesign, designreport_3/14


Ein besserer Stall

Foto: Richard Günter Wett

Im Auftrag der kleinen Tiroler Gemeinde Steinberg am Rofan errichtete Bernardo Bader ein Dorfhaus mit Gaststube, Multifunktionsaal und Bauernladen, das den Ortskern stärkt, die Gemeinschaft fördert und den Fremdenverkehr belebt.

Bernardo Bader baut keine Häuser mit Ausrufezeichen. Vielmehr versucht er seine Entwürfe so in ihre jeweiligen Umgebungen einzubinden, dass sie – wie treffende Wörter im Satzgefüge – das Ganze überhaupt erst richtig zum Klingen bringen. Es gehe ihm darum, sagte er einmal, »die Qualität des Alltäglichen sichtbar zu machen« und eine Art »poetische Normalität« zu erzeugen. Diesen Anspruch hat der 44-jährige Vorarlberger in den vergangenen Jahren vor allem mit seinen vielfach prämierten Wohnhaus-Entwürfen sehr eindrucksvoll untermauert. Welchen Zauber solch eine auf den ersten Blick völlig unscheinbare Architektur entfalten kann, zeigt sich auch in Steinberg am Rofan, wo Bader im Jahre 2015 ein Dorfhaus errichtet hat, das der Tiroler 300-Seelen-Gemeinde in jeder Hinsicht den Rücken stärkt …

Architekturreportage, db 5/2018


Besuch bei EOOS

Foto: Andreas Hoernisch

Mit ihren klugen Entwürfen haben sich Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gründl vom Gespann EOOS international einen Namen gemacht. Die Österreicher interessieren sich für archaische Rituale ebenso wie für avancierte Technologien – und soziale Interventionen.

Sie sind ein Trio, das seit nunmehr 21 Jahren bestens zu funktionieren scheint. Warum klappt es mit dem Zusammenspiel zwischen Ihnen dreien so gut?
Harald Gründl: Eigentlich sind wir noch viel länger beisammen. Nämlich seit dem ersten Tag des Studiums.
Martin Bergmann (lacht): Schlimmer noch: Wir kennen uns seit der Aufnahmeprüfung. Bei der Anmeldung sind wir zufällig hintereinander gestanden und ins Gespräch gekommen.
Gernot Bohmann: Nachdem wir die Prüfung hinter uns gebracht hatten, haben wir uns an einen Tisch gesetzt – und so ist es über all die Jahre geblieben …
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Weitere Interviews

Foto: Andreas Hoernisch

Oliver Bendel designreport 3_2017
Bettina Maisch designreport 6/15
Robert Sachon designreport3/15
Leif Huff (Ideo) designreport_4/14
Richard Lampert, designreport_2/14
Jehs + Laub,  designreport_5/13
Gesche Joost, designreport_4/13
Ingo Maurer designreport 4_12
Askan Quittenbaum designreport_1/12
Alexander Neumeister designreport_4/11
Neuland Industriedesign designreport_6/10
Michel Roset designreport_4/10
Nitzan Cohen designreport_5/09
Yves Béhardesignreport 5/08
Toshiyuki Kita designreport_7/06
Stefan Diez designreport_5/06
Alessandro Mendini designreport_7/07
Piero Lissoni designreport_7/05
Olafur Eliasson  Design+Licht 1/08
Volkwin Marg Design+Licht 1/05 


Weitere Beispiele

Report: Motel One, designreport_3/14
Report: dr award 2014, designreport_3/14
Porträt: Charles und Ray Eames
Buchrezension: designreport_1/10
Carlo Mollino: designreport_6/11
ArchitekturHofstatt, München, db 7-8/14
Bacopari House, Häuser_5/13
Shearer’s Quarter, Häuser_4/13
Haus Kinsbergen, Schweiz, Häuser_3/11
Haus Menke, Hameln, Häuser_1/10
Haus Tabarelli/C. Scarpa, Häuser_5/08
Haus Voitländer/Deffner, Häuser_2/08
Barcode House, München, db 1/06
Porträt: Bearth + Deplazes
Häuser_6/06