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Denaturierte Natur

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Es gibt die Natur, die mich mit ihren kühlen Gründen und »sehnsüchtigen Bächen« beeindruckt, und es gibt die Natur in meiner Rede. Der letzteren ist nicht immer zu trauen. Denn was soll das eigentlich heißen: natürlich? Kein Wort geht einem leichter über die Lippen, keines ist schwerer zu fassen, eben weil es bezeichnet, was sich von selbst versteht. Manchmal verwenden wir es tatsächlich in diesem Sinne. Wer etwa die Frage »Kommst du heute Abend?« nicht einfach mit »Ja« beantwortet, sondern völlig ironiefrei »Natürlich« sagt, verweist sozusagen auf die Evidenz kosmischer… mehr

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Einspruch! (2)

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Ist die Meinungsfreiheit hierzulande bedroht? Unter der entwaffnenden Überschrift »Meine Meinung!« hat sich auch Johannes Schneider kürzlich zu dieser Frage geäußert. Sei ganz entspannt, sagt der ZEIT Online-Redakteur gleich im Beitragstitel. Ich schreibe weder im Namen eines Wahrheitsministeriums noch einer Glaubenskongregation, sondern habe mir bloß ein paar Gedanken gemacht, die ich hier völlig ungezwungen zur Debatte stelle. »Meine Meinung« eben. Und zwar mit Ausrufezeichen! Als Wink mit dem Zaunpfahl gewissermaßen – für die ganz Blöden, die es einfach nicht kapieren wollen, dass die Meinungsfreiheit hierzulande naturgemäß kein bisschen bedroht ist!… mehr

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Einspruch! (1)

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»Nie wieder! Ich rühre nie wieder irgendeine intellektuelle Geschichte an. Ich will mit dieser Gesellschaft nichts zu tun haben.« Zum Glück hielt sich Hannah Arendt nicht allzu lange an ihren Vorsatz. Im Jahre 1933 aber, als die angehende Philosophin Deutschland verließ, war es ihr bitter ernst damit, und noch in dem berühmten Fernsehinterview, das der Journalist Günter Gaus 1964 mit ihr führte, bekundet sie ihre tiefe Skepsis gegenüber bestimmten Intellektuellen – jenen nämlich, die dem Wirklichen auch dann noch Vernunft zuschreiben, wenn es keine freie menschliche Regung mehr zulässt. Nicht… mehr

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Auf verlorenem Grund

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Polarisierung ist normal. Wo zwei zusammenkommen, setzen sie sich auch auseinander. Kein Problem, solange sie an einem Tisch sitzen. Was aber, wenn das Mobiliar zerschlagen, das Tafelsilber verkauft, das Haus verwüstet und die Landschaft verschandelt ist! Was, wenn sie dahin sind: die unstrittigen Gegebenheiten, die geschichtlich verbürgten Tatsachen, die niemals hinterfragten Naturschönheiten! Es fehlt dann der verbindliche Rahmen, in dem selbst unmögliche Figurenkonstellationen ein Bild ergaben. Wo es keine gemeinsamen Grundanschauungen und geteilten Grunderfahrungen mehr gibt, zerfällt auch die komplexe Einheit polar aufeinander bezogener Positionen. Die Spannung reißt ab. Koexistenz… mehr

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Die technokratische Versuchung

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Eine epidemiologische Expertise ist nicht vonnöten, um festzustellen, dass es sich bei »Corona« auch um eine mentale Pandemie handelt. Das Virus SARS-CoV-2 mag als Krankheitserreger in die Welt gekommen sein, aber seit seiner Entdeckung ist es auch ein Bedeutungsträger. Es mag sich in menschlichen Organismen verbreiten, aber in Kommunikationskanälen geht es ebenfalls viral. Im Gewand immer neuer Berichte, Theorien, Narrative, Gesetze und Verordnungen hält es uns seit über einem Jahr in Atem. Um nicht unter der semantischen Viruslast zusammenzubrechen, haben die meisten von uns sehr frühzeitig eigene Standpunkte eingenommen, bieten… mehr

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Das erste Gebot der Vernunft

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Das Problem mag noch so verwickelt sein, es gibt immer Leute, die ganz genau wissen, was zu tun ist – und es überall rumerzählen. Dabei verbinden sie ihre Handlungsempfehlungen gern mit einem Apell an die Vernunft. Es sei ein Gebot der Vernunft, sagen sie, genau dies und das zu tun. Na schön. Aber ich frage mich doch immer häufiger: Warum sprechen die eigentlich oft so gefährlich weihevoll wie weiland Robespierre im Wohlfahrtsausschuss? Können sie nicht geradeaus reden? Können sie keine Gründe nennen? Können sie mich nicht ernst nehmen? Gebietet es… mehr

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Uhrenvergleich

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Wenn ich wissen will, wie spät es ist und auf mein Smartphone schaue, sagen mir ein paar Ziffern schon alles. Für das Erfassen der Uhrzeit jedenfalls spielt das Display, auf dem die Ziffern erscheinen, nicht die geringste Rolle. Es handelt sich dabei lediglich um einen materiellen Träger, den ich ästhetisch bewerten oder technisch untersuchen kann, aber nicht beachten muss, wenn ich einfach nur die Uhrzeit ablesen will. Ganz anders liegt der Fall bei einer konventionellen Zeigeruhr, egal ob in ihr ein mechanisches Uhrwerk tickt oder ein elektronischer Taktgeber schwingt, ob… mehr

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Denaturierte Gesundheit

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Wie das Glück zählt auch die Gesundheit zu den Geschenken der Natur, die wir erst dann hervorkramen und genauer betrachten wollen, wenn sie dahin sind. Wer sich bester Gesundheit erfreut, lebt ohne Sorge und verschwendet nicht den geringsten Gedanken an etwas, das so fraglos da ist wie die Liebe und die Luft zum Atmen. Erst für Kranke wird Gesundheit zum Thema, zum Problem und zum Ideal. Erst die Krankheit ruft die Heilsgeschichtenerzähler, die Problemlöser und die Ideologen auf den Plan. Weil die Helfer in der Not vom Kranksein profitieren, haben… mehr

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Tagesgespräch

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»Blödsinn oder Fortschritt: Was halten Sie von gendergerechter Sprache?« Das war am 13. Oktober die Frage im “Tagesgespräch”, einem beliebten Hörer-sagen-ihre-Meinung-Format des Bayerischen Rundfunks. Dass die Frage ein geteiltes Echo hervorrufen würde, war vorherzusehen. Und so kam es dann auch: Zu Wort meldeten sich ungefähr gleich viele Befürworter und Gegner des neuerdings ja nicht mehr nur geschriebenen, sondern häufig auch gesprochenen Zwitterplurals (»die Musiker.Innen« statt »die Musiker« bzw. »die Musikerinnen«). Einige Anrufer begründeten ihre Meinung, die meisten bekundeten und bekräftigten sie bloß. Sie sahen es als vollkommen evident an, dass… mehr

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Wir

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Mehr als vor den angesagten Naturkatastrophen fürchte ich mich inzwischen vor denen, die sie unbedingt vereiteln wollen. Im Blick habe ich dabei allerdings nicht jene vorausschauenden Zeitgenossen, die sich klugerweise für konkrete Notfälle wappnen. Nein, es sind die Verfechter eines totalitären Humanismus, vor denen mir graut. Es sind die Leute, die lieber heute als morgen den allgemeinen Notstand ausrufen würden. Warum? Die von Humanisten seit eh und je erträumte emanzipative Herauslösung des Menschen aus dem Reich der Natur lässt sich nur vollenden, wenn den Menschen glaubhaft erklärt werden kann, ihre… mehr